Eine Draftnachtchronologie – Geduld zahlt sich aus

Es war ein denkwürdiger Start in die Draftnacht, ohne, dass der Draft groß etwas dafür tun musste. Während es in Deutschland langsam Abend und Nacht wurde, kamen in zwei Chargen Fotos von Mike Vrabel und Diana Russini zutage, welche die Beziehung der beiden bis 2020 zurückdatierten. Gleichzeitig wurde Tweet um Tweet, Interview zu Interview mit diversen Andeutungen der beiden über diese Zeit hinweg aufgetan. Erst Richtung 1:30 Uhr, nach einer kurzfristig anberaumten Vrabel Pressekonferenz, in der er keinerlei Erhellendes beibrachte und einem deutlich zu spät deaktivierten X-Account von Russini gaben sich die sozialen Medien langsam wieder der avisierten Hauptthematik des Abends hin – Draft Night!!!

Unsere Bears gingen mit den allbekannten Needs in den Draft. Der zweite Safetyposten neben Coby Bryant wurde quasi freibelassen – voraussichtlich aber eher für einen Tag 2 Safety. Unsere D-Line kann jedes Talent vertragen und so war die logischste Wahl für viele ein Edge der zweiten Rusher Charge. Last but not least – und nicht erst seit dem zweiten Franke-Mock, der uns in Caleb Lomu einen zweiten Caleb und developmental Left Tackle zuwies, wurden die Gerüchte Richtung O-Line Hilfe deutlicher.  Ich persönlich liebe O-Line Picks – und so wäre ich auch heute wieder mit Hilfe für Caleb glücklich. Schließlich ist unsere Identität durch Ben Johnson geprägt – und zuerst sollte immer unsere Offensive kommen. Und die O-Line macht nach einer überragenden Vorsaison mit Subprime Tackles doch etwas Sorgen. Zu Ozzy Trapillo gab es bisher keinerlei positive Meldungen vom General Management oder Head Coach.

Der Draft nahm in den Top 10 dann seinen mehr oder weniger erwarteten Lauf. Als Bears Fan ging danach das interessiertere Schauen los. Monroe Freeling, OT von Georgia und #10 auf Adrian Frankes Big Board war noch da. An 17 stehen die Lions mit O-Line Need – warum nicht für nicht allzu großes Geld vor die ziehen? Ruben Bain, bei Adrian sogar #2 Spieler overall noch da, genauso wie der Top Safety in Caleb Downs. Kurzum, Premium Guys relativ zu einem Non-Premium Draft.

Die Cowboys picken Downs, dann Miami mit Proctor, dann die Rams mit dem Schocker: Sie nehmen tatsächlich Ty Simpson. Gotta love it. Für den QB mit einem der besten offensiven Masterminds der letzten Jahre. Und für die Bears: Ty Simpson hatte niemand so früh auf dem Board. Meist nicht einmal bis 24. Es würde also noch ein Bears-spezifischerer Spieler mehr an 25 da sein. Oder wir gönnen uns noch was und traden vielleicht doch noch hoch. Ryan Poles ist kein Fan der hohen Uptrades, aber bereits das Umgarnen von Maxx Crosby zeigte – grundsätzlich haben wir Aggressivität im Petto, nur nicht um jeden Preis. Und das ist gut so.

Im Draft blieb es dann auch weiter dabei, dass die Bears geduldig blieben. Die Bucs bekommen an 15 Ruben Bain und können Stand jetzt (Adrian Board #2, DraftNerd Board #11), feiern. Damit war das Premiumsegment abgegrast. Während Adrian im Livestream schon für Detroit Monroe Freeling herbeiredete, machte ich mich auch für das Zerplatzen dieser Ideenblase bereit. Mit Blake Miller ging dann eher ein Right Tackle. Nicht so schlecht für uns. Die Vikings nehmen nicht Safety Thieneman, sondern belassen ihn theoretisch für uns auf dem Board, nehmen dafür aber Upside DT Caleb Banks (Adrian #31, DraftNerd #29).

Meinem Empfinden nach konnten sich die Bears hier weiterhin immer wohler mit Pick 25 fühlen. Als dann die Panthers aber überraschend Monroe Freeling nehmen und die Eagles dahintertradeten, verabschiedete ich mich zumindest langsam von Offensive Line Träumen. You got this, Braxton. Doch die Eagles nehmen Makai Lemon, den viele eher bei den Panthers gesehen hätten. The dream stays alive. Wobei zu diesem Punkt so wenig im zweiten D-Line Tier abgegrast wurde, dass auch das immer wahrscheinlicher wurde.

Spätestens nach dem Mesidor Pick der Chargers wurde dann ganz klar, dass die Bears sich bei den Analysten in eine gute Position bringen könnten. Zwei Picks noch vor den Bears. Thieneman wäre super für uns. Lomu wurde viel gehandelt. T.J. Parker ist noch da. Peter Woods als Top DT für Adrian. Auch der bei einigen Analysten unbeliebte, aber für Dennis Allen immer als passend beschriebene Kendrick Faulk ist für DT noch da. Die Qual der Wahl.

Einige Picks später, Zitat Adrian: „Ein geiler Pick der Bears“. Einfach happy. Es ist Thieneman. Der Safety von Oregon wurde fast immer spätestens bei den Vikings aussortiert und kam in Mock Drafts bei uns eigentlich nie wirklich in Frage. Wie zuvor erwähnt – wir haben die zweite Safetyposition offenbelassen. Jetzt füllen wir sie mit einem Spieler, der in einigen Bereichen von Experten sogar über Downs gesehen wurde. Von einem großen Fragezeichen hin zu potentiell der neuen Stärke der Bears. Kevin Byard wurde mit warmen Worten in eine scheinbar wahrscheinliche Vertragsverlängerung verabschiedet, nur um ihn dann für minimales Geld zu den Patriots ziehenzulassen. Vor allem wohl auch wegen fehlendem Closing Speed. Damit werden wir in Zukunft mit zwei sehr guten und jungen Safeties wohl kein Problem mehr haben.

Ich habe jetzt schon so Vorfreude auf diese Saison. Verschließen wir einmal kurz unsere Augen vor dem, was sich da in der D-Line abspielt. Hinten wird geregelt. Ein flashy name für eine bis dato nicht besetzte Position. Top. Und dann noch das Lob von Adrian, der ihn auf 16 auf dem Big Board hatte. Beim Draft Nerd war Thieneman auch auf 18. Bei beiden annähernd der höchste Spieler overall auf dem Board. Nach dem Aufstehen werden sich die A-Draftgrades abgeholt. Gute Nacht und Bear Down!